DILEMMA ÖKONOMISIERUNG

Die Ökonomisierung des gesellschaftlichen Lebens und die Abhängigkeit der Künstler/innen vom Markt verlangt eine Neudefinition der Kunst und eine Neupositionierung des Künstlerberufs. Statt der Orientierung an den Trends des Kunstmarktes und an wirtschaftlichen Interessen von Kuratoren, sollen Künstler/innen konstruktiv und direkt in die Wirtschaft eingebunden werden.

Kunst war einmal eine „kostbare Ausdrucksform von Freiheit und Leben, die bleibt wenn alles andere vergangen ist.“ Gute Künstler experimentieren, hinterfragen, riskieren, denken quer und schaffen eigenständige und unangepasste Sichtweisen auf die Welt. Die Ökonomisierung der Kunst verhindert diese Form der künstlerischen Auseinandersetzung. Kunst ist heute ein Teil des globalen kapitalistischen Marktes. Wirtschaftliche Regeln und Logiken bestimmen zum grossen Teil die Kunstproduktion und Rezeption. Kunst und Kunstschaffende werden über die Faktoren „Verkaufswert“, „Präsenz“ und „Aufmerksamkeit“ bewertet. Im Zeitalter der Eventkultur werden die Kunstschaffenden zu sich promotenden Einzelunternehmern. Wenn Kunst zum wirtschaftlichen Zweck wird und abhängig ist vom Markt, kann sie die Aufgabe der kritischen Reflexion in der Gesellschaft nicht mehr erfüllen.

 

Vgl. Sam Keller in Brand eins, Heft 12, Hamburg 2009